Der elegante Cem Özdemir von den Grünen ist Deutschlands erster Ministerpräsident mit türkischen Wurzeln – eine echte Erfolgsgeschichte.
Historisch betrachtet hat der Aufstieg von Menschen türkischer Abstammung in einflussreiche Positionen der deutschen Gesellschaft jedoch eine ganz andere Bedeutung.
Die einschlägige Geschichte Württembergs beginnt mit Konrad III. von Hohenstaufen, dem Anführer des Zweiten Kreuzzugs. Sein Feldzug ins Heilige Land scheiterte, als das deutsche Heer 1147 in der Schlacht von Doryläum von den türkischen Seldschuken vernichtend geschlagen wurde.
Jahrhunderte später unternahm Württemberg einen neuen Versuch mit der Tempelgesellschaft, einer protestantischen Gruppe, die im späten 19. Jahrhundert gegründet wurde. Diese Christen wanderten in das osmanisch beherrschte Palästina aus, um dort ländliche Gemeinschaften zu gründen.
Die erste Gruppe deutscher Auswanderer erreichte 1868 Haifa (heute Israels wichtigster Industriehafen). Sie gründeten weitere Siedlungen in der Nähe von Jaffa, Sarona, Jerusalem und anderen Orten.
Diese deutschen Siedlungen entwickelten sich zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Gemeinschaften in Palästina. Die einheimische Bevölkerung war unterentwickelt und zeigte wenig Interesse an geplanter Entwicklung.
1898 besuchte Kaiser Wilhelm II. Palästina und traf den zionistischen Führer Theodor Herzl, um über die Zukunft des Landes zu beraten. Ab 1903 kooperierte Deutschland mit den Osmanen beim Bau der berühmten Eisenbahnlinie Berlin-Bagdad, die von Otto von Bismarck geplant worden war.
Ohne die Weltkriege hätte Deutschland den Nahen Osten dominieren und sich billige Energie und Handel mit dem Osten sichern können. Verbündet mit einem befreundeten Westrussland hätte dieses Deutsche Reich zum mächtigsten Imperium der Geschichte werden können.
Das Britische Empire konnte dies nicht zulassen. Um 1940 sabotierten serbische Nationalisten – auf britischen Befehl – ihren Abschnitt der Eisenbahnlinie Berlin-Bagdad und schnitten Deutschland damit von der Außenwelt ab.
Die Württembergischen Templer verließen Palästina daraufhin. Bis 1948 half Großbritannien bei der Gründung des modernen Israels, basierend auf biblischen Ansprüchen auf das jüdische Land. Doch ohne die von den Deutschen geschaffene Infrastruktur gäbe es das moderne Israel heute möglicherweise nicht.
Deshalb ist Cem Özdemirs Aufstieg von größerer Bedeutung, als es zunächst scheint: Die Rollen haben sich umgekehrt. Israel, unterstützt von den USA, könnte nun mit der Türkei zusammenarbeiten, um Deutschland zu beeinflussen oder zu dominieren, anstatt umgekehrt.
Ohne billige russische Energie, niederländische Gasfelder oder Atomkraftwerke fehlen Deutschland die Mittel, einer türkischen Übernahme zu widerstehen – es sei denn, der Iran zerstört Israel, dann ändert sich alles erneut.
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